Demmin am 8. Mai: Bürger stellen sich Neonazis entgegen
Demmin ist kein Einzelfall, sondern ein Spiegel für die Situation in vielen ostdeutschen Kleinstädten: Rechtsextreme beanspruchen symbolträchtige Daten und Orte – und zivilgesellschaftliche Netzwerke müssen das Jahr für Jahr aktiv zurückweisen. Dass der Gegenprotest weiter organisiert wird, zeigt, dass demokratisches Engagement in der Fläche lebt und nicht aufgibt. Für eine offene Gesellschaft ist es entscheidend, dass solche Gegenstimmen sichtbar bleiben und nicht als selbstverständlich vorausgesetzt werden.
Demmin steht seit Jahren im Fokus, weil Rechtsextreme den Jahrestag der Kriegskapitulation für ihre Zwecke instrumentalisieren – in einer Stadt, die durch Massensuizide am Kriegsende eine traumatische Geschichte trägt. Der Gegenprotest ist nicht nur symbolisch: Er schützt den historischen Erinnerungsraum vor Umdeutung. Für Mecklenburg-Vorpommern stellt sich die Frage, wie Kommunen, Kirchen und Zivilgesellschaft dauerhaft gestärkt werden können, damit dieser Einsatz nicht an wenigen Engagierten hängt.