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Thursday, 21. May 2026
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Demokratie & Zivilgesellschaft

EU-Skepsis wächst – besonders in Ostdeutschland

Die wachsende EU-Skepsis in Ostdeutschland hat konkrete historische Wurzeln: Wer nach der Wende erlebt hat, wie wirtschaftliche Versprechen platzen und politische Entscheidungen über den eigenen Kopf hinweg getroffen werden, dem fällt Vertrauen in ferne Institutionen nicht leicht. Diese Entfremdung ernst zu nehmen bedeutet nicht, sie zu akzeptieren, sondern zu fragen, welche EU-Strukturen ostdeutsche Erfahrungen systematisch ausgeblendet haben. Demokratische Teilhabe und wirtschaftliche Gleichwertigkeit müssen keine Gegensätze sein – aber dafür braucht es mehr als Brüsseler Verlautbarungen.

Wachsende EU-Skepsis ist kein Stimmungsproblem, das sich mit besserer Kommunikation lösen lässt – sie ist ein Signal, dass Teile der Bevölkerung die EU nicht als ihr Projekt erleben. Für eine offene Gesellschaft ist das gefährlich, weil Europaskepsis häufig als Einstiegstor für nationalistische und autoritäre Narrative genutzt wird. Wer die Demokratie stärken will, muss die konkreten Lebenserfahrungen ernst nehmen, die zu dieser Skepsis führen.

Für Mecklenburg-Vorpommern ist diese Entwicklung besonders relevant: Das Land gehört zu jenen Regionen, in denen Parteien mit eurokritischen Positionen besonders stark sind. Die Frage ist nicht, ob die Menschen falsch liegen, sondern warum die EU für viele hier keine spürbare positive Rolle spielt. Zivilgesellschaftliche Akteure und Kommunalpolitik könnten gezielt zeigen, welche EU-Fördergelder und -Programme den Alltag in der Region konkret verbessern – und so Brücken bauen statt Distanz zu verwalten.