Facewatch: Wenn Algorithmen Unschuldige zu Kriminellen machen
Gesichtserkennungssysteme in privaten Händen verschieben Machtverhältnisse dramatisch: Ein Algorithmus entscheidet über Ruf und Bewegungsfreiheit von Menschen – ohne Anhörung, ohne Rechtsmittel, ohne Transparenz. Besonders gefährdet sind Menschen, bei denen Systeme wie Facewatch nachweislich häufiger irren: dunkelhäutige Menschen, Frauen, ältere Personen. Wer keine Lobby hat und sich keine Anwälte leisten kann, bleibt mit dem Stigma allein.
Für eine offene Demokratie ist die unkontrollierte Ausbreitung privater Überwachungsinfrastruktur eine ernste Bedrohung. Die EU-KI-Verordnung bietet zwar erste Ansatzpunkte für eine stärkere Regulierung, doch der Fall Facewatch zeigt, dass gesetzliche Leitplanken und deren Durchsetzung noch weit hinter der Realität zurückbleiben. Kommunen und Landesparlamente – auch in Mecklenburg-Vorpommern – sollten klare Regeln für den Einsatz solcher Systeme in öffentlich zugänglichen Privaträumen einfordern.