Montenegro: Ex-Antikorruptionschefin wegen Amtsmissbrauchs verurteilt
Antikorruptionsbehörden sind nur so stark wie ihre personelle Unabhängigkeit und gesellschaftliche Kontrolle. Wenn die Wächterin selbst zum Fall wird, beschädigt das nicht nur Vertrauen in Montenegro, sondern zeigt ein strukturelles Problem: Kontrollinstitutionen brauchen selbst Kontrolle – durch Zivilgesellschaft, Parlament und eine freie Presse. Für alle, die in Osteuropa auf funktionierende Rechtsstaatlichkeit hoffen, ist das eine ernüchternde, aber notwendige Lektion.
Montenegro steht unter EU-Beobachtung, und Fälle wie dieser landen direkt in den Fortschrittsberichten der Kommission. Die Frage ist nicht ob Perovic schuldig ist – das entscheidet das Gericht – sondern ob das montenegrinische System in der Lage ist, sich selbst zu reinigen. Transparenz, unabhängige Justiz und eine starke Zivilgesellschaft sind keine Beitrittskriterien auf Papier, sondern Grundbedingungen. Für Deutschland und MV ist der EU-Erweiterungsprozess kein abstraktes Thema: Stabile Demokratien auf dem Balkan bedeuten weniger Instabilität an Europas Grenzen.