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Thursday, 21. May 2026
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Demokratie & Zivilgesellschaft

NS-Parolen und wer sich Angst leisten kann

Wer rechtsextreme Parolen ruft, fühlt sich sicher – wer betroffen ist oder hinschaut, hat Angst. Dieses Ungleichgewicht zeigt, dass Strafverfolgung und Politik bisher nicht klar genug signalisieren: Der Schutz gilt den Angegriffenen. Niedrigschwellige Meldestellen und einfachere Anzeigeprozesse könnten das ändern. Für Mecklenburg-Vorpommern ist das keine abstrakte Debatte, sondern eine Frage demokratischer Glaubwürdigkeit.

Eine Demokratie ist nur so stark wie ihr Versprechen, alle Menschen gleich zu schützen – besonders vor offen gezeigtem Hass. Wenn Täter sich sicher fühlen und Opfer schweigen, ist das kein Zufallsbefund, sondern ein Systemversagen. Das betrifft den gesellschaftlichen Zusammenhalt unmittelbar: Wer nicht anzeigt, weil er keine Wirkung erwartet, hat das Vertrauen in den Rechtsstaat verloren.

Für Mecklenburg-Vorpommern, wo rechtsextreme Strukturen seit Jahrzehnten präsent sind und Orte wie Jamel bundesweit bekannt wurden, ist diese Debatte keine abstrakte. Zivilgesellschaftliche Strukturen wie die Mobilen Beratungsteams oder das Landesprogramm 'Demokratie und Toleranz' leisten täglich Arbeit, die politisch stärker gerahmt werden muss. Die zentrale Frage lautet: Wer ermutigt Menschen, Anzeige zu erstatten – und wer schützt sie danach?