Ostbeauftragte mahnt: Sozialreformen dürfen Osten nicht ignorieren
Wer Sozialreformen baut, ohne ostdeutsche Lebensrealitäten einzurechnen, schreibt Ungleichheit strukturell fort. Für eine offene Gesellschaft, die Zusammenhalt ernst nimmt, ist es keine Kleinigkeit, wenn Teile der Bevölkerung systematisch schlechter gestellt werden – nicht durch eigenes Versagen, sondern durch Reformkonzepte, die an ihrer Lebenswirklichkeit vorbeigehen. Besonders in ländlichen Regionen wie Ludwigslust-Parchim, wo Einkommen, Erbschaften und Rentenpunkte im Schnitt niedriger sind, entscheidet sich, ob Sozialstaatsreformen verbinden oder weiter auseinandertreiben.
Für Mecklenburg-Vorpommern ist dieser Appell keine abstrakte Bundespolitik: Wenn Rentenreformen, Erbschaftsregelungen oder Fachkräftestrategien ohne Blick auf ostdeutsche Erwerbsbiografien gemacht werden, treffen sie Menschen hier besonders hart. Die Frage ist nicht, ob die Ostbeauftragte Recht hat – das tut sie –, sondern ob nach dem Appell konkrete Gesetzesänderungen folgen oder ob es wieder bei der Sensibilisierung bleibt. Landespolitik und Kommunen in MV sind gut beraten, die Reformvorhaben genau zu verfolgen und eigene Positionen frühzeitig einzubringen.