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Thursday, 21. May 2026
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Wissenschaft & Gesundheit

Psychiatrie: Zahl psychisch kranker Kinder bleibt nach Corona hoch

Seit 2020 ist die Zahl zwangsuntergebrachter Minderjähriger in der Psychiatrie um ein Drittel gestiegen, ohne dass sich dieser Trend fünf Jahre später normalisiert hat. Besonders Mädchen sind betroffen, als Ursachen gelten Pandemiefolgen, Zukunftsängste und anhaltende psychosoziale Belastungen. Für Mecklenburg-Vorpommern, das ohnehin mit einer dünnen Versorgungsstruktur im ländlichen Raum kämpft, unterstreicht diese Entwicklung den dringenden Bedarf an einem Ausbau kinder- und jugendpsychiatrischer Angebote. Prävention und Frühintervention müssen dabei ins Zentrum einer zukunftsfähigen Gesundheitsversorgung für junge Menschen in MV rücken.

Die anhaltend hohen Einweisungszahlen zeigen, dass die psychische Gesundheit junger Menschen eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe ist, die weit über das Gesundheitssystem hinausgeht. Eine offene Gesellschaft, die in ihre Jugend investiert, muss psychiatrische Versorgung, schulische Unterstützungsstrukturen und gesellschaftliche Teilhabe als zusammenhängendes System begreifen. Besonders für strukturschwache Regionen wie Mecklenburg-Vorpommern, wo niedergelassene Kinder- und Jugendpsychiater rar sind, ist das ein dringliches Signal.

Für die Gesundheitsversorgung in Flächenländern wie Mecklenburg-Vorpommern ist diese Entwicklung besonders ernst: Lange Wartezeiten auf psychiatrische Behandlungsplätze für Kinder und Jugendliche sind bereits heute ein bekanntes Problem. Die Zahlen legen nahe, dass nicht Krisenintervention, sondern niedrigschwellige Prävention – etwa durch schulpsychologische Dienste, Jugendberatungsstellen und digitale Angebote – stärker ausgebaut werden sollte. Das österreichische Datenmaterial bietet eine Vergleichsbasis, um politischen Handlungsdruck auch in Deutschland zu formulieren.