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Tuesday, 19. May 2026
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International

USA: Volksstimmenwahl zum Präsident rückt näher

Mit Virginias Beitritt zum National Popular Vote Interstate Compact wächst die Bewegung für eine direkte Volkswahl des US-Präsidenten auf 18 Staaten mit 222 von benötigten 270 Wahlmännerstimmen. Das Abkommen zielt darauf ab, das Electoral College faktisch auszuhebeln, ohne eine Verfassungsänderung zu erfordern. Sollten bei den Midterms weitere bevölkerungsreiche Staaten gewonnen und eingebunden werden, könnte die Reform bereits zur Wahl 2028 wirksam werden. Eine stärkere Ausrichtung des US-Wahlsystems am Mehrheitswillen der Bevölkerung hätte auch Signalwirkung für demokratische Debatten in Europa und Deutschland.

Eine Direktwahl per Volksmehrheit würde das strukturelle Ungleichgewicht im US-amerikanischen Wahlsystem verringern, bei dem Swing States unverhältnismäßig viel Einfluss besitzen. Die Debatte zeigt, dass demokratische Systeme reformierbar sind, wenn zivilgesellschaftlicher und politischer Druck ausreichend aufgebaut wird – eine Erkenntnis, die weit über die USA hinaus relevant ist.

Der Compact ist ein bemerkenswertes Beispiel für interstaatliche Kooperation als Instrument demokratischer Systemreform, das ohne Verfassungsänderung auskommt. Für europäische Demokratien und Debatten über Wahlrecht und Repräsentation bietet das US-Modell wichtige Anschauung: Wie lassen sich strukturelle Mehrheitsverzerrungen auf legalem Weg korrigieren? Die Entwicklung lohnt es, verfolgt zu werden – besonders im Hinblick auf die US-Wahl 2028.